Das Jahr 1968 ist fraglos eines der interessantesten und widersprüchlichsten in der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Und inmitten von Protesten und Unruhen, antiautoritärer Auflehnung und Infragestellung des Althergebrachten treffen sich 1968 neun deutsche Fliegerinnen in Petersau, einem winzigen Ortsteil von Frankenthal-Mörsch, unweit von Worms. Eingeladen zum Treffen am 9. April 1968 hat Mutz Trense, denn Petersau gehört seit 1934 ihrer Tante Irmgard von Opel. Irmgard war in den 1930er Jahren die wohl beste Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsreiterin der Welt. 1934 hatte sie als erste Frau das Deutsche Springderby gewonnen, das Kenner als das schwerste Springen der Welt betrachten. Mutz wächst bei ihrer Tante auf und erlebt aus erster Hand, wie diese nicht nur erfolgreich mehrere landwirtschaftliche Betriebe aufbaut, sondern auch in der männlichen Domäne der Reiterei Triumphe feiert. Und nun sitzt Irmgards Nichte auf dem idyllischen Hofgut und plant ihren eigenen Aufbruch in eine Männerdomäne. 1968, das Jahr der Unruhen und Proteste, scheint gerade die richtige Zeit dafür.
Ganz plötzlich kommt die Idee der Gründung einer Organisation deutscher Fliegerinnen jedoch nicht. Schon 1960 war eine Delegation der US-amerikanischen Fliegerinnenvereinigung Ninety-Nines nach Deutschland gekommen. Auf Einladung des Deutschen Aero-Clubs waren mehrere deutsche Fliegerinnen – darunter Elly Beinhorn, Hanna Reitsch, Mutz Trense, Marie-Luise Wessel und Uta Kienle – nach Mannheim zu einem Gespräch mit den amerikanischen Gästen gekommen.