Es war der 31. Mai 2025. In den Abendnachrichten wurde berichtet, dass es an diesem Samstag um kurz nach 12 Uhr zu einem tragischen Flugzeugabsturz nahe Mönchengladbach gekommen sei. Eine 71-jährige Pilotin sei mit ihrer Maschine nur knapp fünf Kilometer entfernt vom Flugplatz Mönchengladbach in ein Wohnhaus in Kleinenbroich gestürzt. Dadurch seien nicht nur die Pilotin, sondern auch eine 84-jährige Bewohnerin dieses Hauses ums Leben gekommen.
Wir sahen die Trümmer des Flugzeugs auf dem Bildschirm und sagten noch: Das Seitenleitwerk sieht aber ganz nach einer Beechcraft aus. Auch bei der Erwähnung, die Pilotin sei 71 Jahre alt, klingelte noch nichts. Wäre ja schlichtweg nicht denkbar gewesen. Dafür klingelte am darauffolgenden Sonntagmorgen das Telefon. Unsere Ehrenpräsidentin Heidi Galland war dran: „Annelie ist tot.“ Der Schock saß tief und hielt sehr lange an.
So viel persönliche Erschütterung vorwegnehmend: nicht nur wir VDP-Mitglieder trauern um unsere wunderbare Fliegerkameradin Anna Maria Adrian, sondern auch unzählige Menschen aus Annelies näherem und weiteren Umfeld. Dazu muss man wissen, dass Annelie eine außerordentlich zielstrebige, fleißige und durchsetzungsfähige Ausnahmefrau gewesen ist, die sich eine erfolgreiche Unternehmerexistenz aufgebaut hat, wie sie nicht häufig vorkommt.
In kleinen, bäuerlichen Verhältnissen in Anrath nahe Mönchengladbach aufgewachsen, hat sie nach dem Hauptschulabschluss eine Lehre zur Industriekauffrau absolviert, einige Jahre als Sekretärin, dann als Sachbearbeiterin in einem Düsseldorfer Immobilienunternehmen gearbeitet.
Aber dann, schon mit gerade mal Mitte 20 beschloss sie, sich selbstständig zu machen. „Aus der Sicherheit raus in die Unbestimmtheit. Mut hat in meinem Leben viel bewegt, Mut ist (m)ein Erfolgsgarant. Andere Garantien auf Erfolg gab es für mich nicht, nur meinen Mut, meinen festen Glauben an mich selbst und meinen Drang nach Freiheit.“ So schrieb Annelie einst in einem Beitrag in der Festschrift für einen Freund. Und dies alles unter ihrem persönlichen Leitspruch: „Tue das, was du kannst und mache das gut.“ So entwickelte sich ihr Unternehmen „Adrian Immobilien“, das sie zusammen mit ihrem Bruder Hermann Josef führte, hervorragend. Nach der Wende kam der zweite Standort Weimar dazu, wo Annelie hunderte Immobilien-Entwicklungs- und -Sanierungsprojekte betreute.
Schon aus dieser sehr verkürzten beruflichen Vita Annelies wird deutlich, dass ihr Mut, – aber niemals Übermut –, ihr umfassendes Engagement und ihre Begeisterungsfähigkeit die Menschen in ihrem Umfeld förmlich mitgerissen und mitbegeistert haben. Keine Frage, dass solch eine Powerfrau beizeiten auch noch etwas höher hinauswollte und beschloss, den Flugschein zu erwerben. Ihre Ausbildung absolvierte sie am Flugplatz Mönchengladbach, ihr PPL (A) wurde am 10.September 1982 ausgestellt.
Wenig später erwarb sie die IFR-Lizenz. Beides kam Annelie auch beruflich sehr zupass, da sie nach Eröffnung ihrer Firmendependance in Weimar häufig zwischen beiden Standorten pendelte. Das ging mit ihrer Beech Bonanza natürlich flotter als mit dem Auto.
Bis zu ihrem letzten Flug an jenem 31. Mai, als sie von Arnstadt-Alkersleben in Thüringen wieder einmal nach Mönchengladbach gestartet war. Unterwegs meldete sie bereits der DFS in Langen Motorprobleme und Öl auf der Windschutzscheibe. Den Motor hatte die stets disziplinierte und umsichtige Pilotin kurz zuvor in Dänemark überholen lassen, und noch keine zwei Betriebsstunden war er seither wieder in der Luft. Erste Untersuchungen ergaben, dass wohl zwei Pleuelstangen das Motorgehäuse durchstoßen hatten, wodurch eine enorme Menge Öl ausgetreten sein musste. Sie schaffte es nicht mehr über die noch wenigen Kilometer bis zum Flugplatz Mönchengladbach.
Uns Fliegerinnen bleibt sie in jeglicher Hinsicht unvergessen mit ihrem Schalk, ihrer Lebensfreude. Unvergessen auch die Jahreshauptversammlung, die sie anno 2007 in Weimar ausrichtete, und ebenso unvergessen der Ehrenflug mit Elli Beinhorn zu deren 100. Geburtstag am 30. Mai 2007 von Oberschleißheim über das Voralpenland.
Annelie hinterlässt neben Angehörigen und vielen Freunden auch ihren Ehemann Wolfgang Bergerhoff. Die langjährige Single-Frau und Wolfgang lernten sich erst in Annelies neuer Heimat Weimar kennen und lieben. 2014 haben die beiden auch geheiratet. Kurz nach dem Unglück sagte Wolfgang der Rheinischen Post: „Jeder, der sie nicht kannte, hat etwas verpasst im Leben.“ Ihr Tod reiße ein Loch, das so groß sei wie ein Krater.
Schon aus dieser sehr verkürzten beruflichen Vita Annelies wird deutlich, dass ihr Mut, – aber niemals Übermut –, ihr umfassendes Engagement und ihre Begeisterungsfähigkeit die Menschen in ihrem Umfeld förmlich mitgerissen und mitbegeistert haben. Keine Frage, dass solch eine Powerfrau beizeiten auch noch etwas höher hinauswollte und beschloss, den Flugschein zu erwerben. Ihre Ausbildung absolvierte sie am Flugplatz Mönchengladbach, ihr PPL (A) wurde am 10.September 1982 ausgestellt.
Wir VDP-Mitglieder, die wir Annelie kennen- und schätzen lernen durften, haben das in unserem Leben zum Glück nicht verpasst dank unserer vielen fröhlichen und bereichernden Begegnungen mit ihr. Aber der Krater klafft nach wie vor tief.